
Ausgangspunkt: Pressekonferenz des „Zoll-Trump“ im „Rosengarten“ des Weißen Hauses in Washington.
So ein Zufall! Da fällt mir noch ein „Rosengarten“ ein, in dem unglaubliches Unheil seinen Anfang nahm. Kein Geringerer als William Shakespeare hat ihn in seinem Königsdrama „Henry VI“ fiktional mit dem „Old Inner Temple Garden“ in London gleichgesetzt.

Bevor wir auf die dortige Szene eingehen, werfen wir einen Blick auf die Vorgeschichte. Auszugehen ist von dem von 1327 bis 1377 regierenden englischen König Edward III., welcher der Dynastie der Anjou-Plantagenêt entstammte, und als einer der bedeutendsten englischen Herrscher des Mittelalters gilt. Auf ihn führten die Adelshäuser York und Lancaster als zwei verschiedene Zweige des Hauses Plantagenet ihre Stammlinie zurück, woraus beide jeweils ihren Anspruch auf die englische Königskrone ableiteten: Die Lancasters waren 1399 auf den Thron gelangt, doch das Haus York sah sich übergangen. Als dann König Heinrich VI. aus dem Haus Lancaster in geistige Umnachtung fiel, löste dies schließlich den offenen Bürgerkrieg aus. Vor allem Richard, Herzog von York, erhob Anspruch auf den englischen Thron.
Was hat dies nun mit dem Temple-„Rosengarten“ zu tun. Nun, Shakespeare verrät es uns, indem er das Aufeinanderprallen der beiden rivalisierenden Parteien schildert:
Plantagenet (= House of York; Richard, später König Richard III.)
Es pflücke, wer ein echter Edelmann
Und auf der Ehre seines Bluts besteht,
wenn er vermeint ich bringe Wahrheit vor,
mit mir von diesem Strauch `ne weiße Rose
Somerset (= House of Lancaster)
So pflücke, wer kein Feiger ist noch Schmeichler
Und die Partei der Wahrheit halten darf,
mit mir von diesem Dorn `ne rote Rose.

Die Auseinandersetzungen forderten einen sehr hohen Blutzoll (über 105.000 Tote: Soldaten, Bauern, aber vor allem aber auch im britischen Adel) und beendeten unter anderem die männlichen Linien der beiden Häuser. Die Tudors kamen an die Macht.
Nun, ich weiß schon, die strenge Geschichtsforschung hat König Richard III. teilweise rehabilitiert, wenn auch manches offen bleibt (etwa seine Verantwortung für den Tod der Prinzen, seiner Neffen im Londoner Tower). Auch sein lange verschollenes Grab wurde mittlerweile gefunden. Und klar ist, dass sich Shakespeare durch die Darstellung Richards als Erzbösewicht nicht zuletzt auch bei den zu seiner Zeit bereits regierenden Tudors „einweimperln“ wollte (um es echt österreichisch auszudrücken). Ich bleibe (obwohl sonst gerne ein Mann der Wissenschaft) gefühlsmäßig enger beim Drama des „Schwans vom Avon“, denn Kunst vermag den „menschlichen Makel“ (© Philipp Roth) oft durch Übertreibung schonungsloser darzustellen, als verständnisvollste Psychologie oder nächstenliebende religiöse Exkulpierung.
Da ich an die christliche Auferstehung glaube, bin ich kein Anhänger fernöstlicher Wiedergeburt. Sollte aber doch etwas dran sein, dann könnte doch wohl auch ein Richard III. shakespearschen Zuschnitts nach über viereinhalb Jahrhunderten in New York City wieder auf die Welt gekommen sein. König Richard hatte schwere körperliche Missbildungen, die er dem Dichter selbst als Entschuldigung für seine totale Unmoral in die Feder diktiert:
„Schwor Liebe mich doch ab im Mutterschoß, und, dass ihr sanft Gesetz für mich nicht gölte, bestach sie die gebrechliche Natur mit irgendeiner Gabe, meinen Arm wie einen dürren Strauch mir zu verschrumpfen, dem Rücken einen neid’schen Berg zu türmen, wo Hässlichkeit, den Körper höhnend, sitzt; die Beine von ungleichem Maß zu formen, an jedem Teil mich ungestalt zu schaffen - gleich wie ein Chaos oder Bärenjunges, das, ungeleckt, der Mutter Spur nicht trägt.“
Gewiss, der Barde übertrieb. Und – wie gesagt – ich verstehe nichts von Wiedergeburt; aber wäre es möglich, dass bei einer solchen, wenn es sie gäbe, die körperliche Bresthaftigkeit ins Gehirn abwandern könnte …?
Genug dieser Töne, „lasst uns angenehmere anstimmen“ (© Schiller). War die York-Rose weiß gewesen und die der Lancaster-Partei rot, so strebte das Haus Tudor endlich eine Versöhnung der Verfeindeten im ganzen Volk an, symbolisch, indem es die Symbiose der „Tudor-Rose“ schuf.

Derzeit scheinen ja durch allerneueste Entwicklungen die Farben der Rose Amerikas und jener Europas diametral auseinanderzudriften – wie einst jene der beiden verfeindeten englischen Adelshäuser.
Ist es vermessen, davon zu träumen, dass eines (absehbaren) Tages auch hier eine wieder vereinigte „Rose“ erwachsen würde, eine „Rose des Humanismus und der Aufklärung“. Ich übersetze für alle Fälle auch für Trump und Musk: „A Rose of Humanism and Enlightenment“.

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