Sommerolympiade 2024 in Paris. Dieses Spektakel könnte unter dem Motto stehen: „Das letzte, was in Frankreich stirbt, ist ein Sonnenkönig in seiner Pracht, obwohl man derzeit keinesfalls weiß, ob nicht schon die Königin der Nacht regiert!
Frankreichs diesmaliges olympisches Verdienst kulminierte auf jeden Fall im Integrieren seiner einmaligen Kulturstätten (etwa Versailles oder Eifelturm) in die sportlichen Bewerbe (womit wenigstens auch die „mens sana“ einbezogen wurde inmitten all der „corporum sanorum“).

Man kann freilich auch generell eine kritische Haltung zu den modernen Olympiaden einnehmen. Wem solches auch schon dämmerte, den möchte ich auf das heuer rechtzeitig erschienene großartige Buch „Olympia“ vom Universitätsprofessor für Politikwissenschaft Peter Filzmaier hinweisen, der weiß wovon er spricht, denn er ist seit früher Jugend auch Sportfan und war sogar aktiver Langstreckenläufer. Sein Buch kann einem die Augen öffnen über die „Kehrseiten der Medaillen, als da sind: Propaganda und Heldenverehrung, Nationalismus und Rassismus, Sexismus und Doping, Kommerzialisierung und Korruption, und die politische Macht der Bilder“.
Es ist freilich nicht die Absicht dieses Beitrags, weiter in olympischen Mistkübeln zu wühlen, oder der Verschlagenheit mancher IOC-„Herren der olympischen Ringe“ nachzuspüren, vielmehr ist Positives und Hoffnungsvolles der Zweck dieser Zeilen. Es ist gewiss kein Zufall, dass gerade in diesen Tagen sich eine wundervolle Veranstaltung der antiken griechischen Stätte OLYMPIA zuwendet, jenem Ort, an dem alles begann. Es dreht sich um den Film „Eden in Olympia“, der im Internet bei ARTE (Classic), ERT2 (Greece), oder Carnegie Hall+ abrufbar ist.

Die Hauptprotagonistin ist eine der besten klassischen Sängerinnen der Gegenwart: JOYCE di DONATO. Ich hatte die Gnade, sie vor einigen Jahren im Wiener Konzerthaus mit ihrem Programm „PEACE“ hören zu dürfen, das ebenfalls mit dem „Prinzip Hoffnung“ endete, unmissverständlich ausgedrückt durch das Lied von Richard Strauss „Und morgen wird die Sonne wieder scheinen“, das Joyce als Draufgabe sang.

Dort in Olympia stand Joyce di Donato neben alten „heiligen“ Steinen und Ruinen, neben ihr aber auch vor allem Jugendliche, begnadete Musiker, Olivenbäume, Lorbeer, Blüten und wieder eine unverwüstliche abstrakte Mitwirkende namens „Elpis/ἐλπίς/Hoffnung“.
Ich habe Menschen kennengelernt, die sich in Olympia äußerst unwohl fühlten. Sie werden ihre Gründe gehabt haben, seien es lärmende, aus Kreuzfahrtschiffen ausgespuckte Touristenströme, sei es, dass sie Schwingungen verspürt haben, die ihrer sensitiven Seele nicht gut getan haben dürften. Auch mir war es vor Jahrzehnten anlässlich einer – damals noch sehr bescheidenen – Schiffsreise nicht gegönnt gewesen, die unvergleichliche Aura dieser Stätte voll auszukosten, weil eine korrupte, mit den Souvenirläden vor den Mauern Olympias „verbandelte“ Fremdenführerin den Rundgang so knapp wie möglich gestaltete, um genügend Zeit für den Erwerb (an dem sie zweifellos mitschnitt) von kitschigen Andenken zu bieten, wie man solche auch sonst in ganz Hellas hätte kaufen können. Vielleicht könnte aber dieses erwähnte multimediale EDEN-Kunstwerk allen Enttäuschten einen anderen, positiveren Eindruck von einer der wichtigsten Stätten des Altertums vermitteln. Geht es dabei doch auch um eine Art „Initiation“. Auch Joyce erlebt einen wütenden Tiefpunkt, selbst Furien treten auf (zur Musik von Christoph Willibald Gluck).

Freilich kommen die heutigen Furien, Megären oder Erinnyen nicht mehr als alte Vetteln daher, deren Hautfarbe schwarz war, die sich sich in graue Gewänder kleideten, und deren Haare Schlangen waren. Ihr Geruch war unerträglich und aus ihren Augen floss giftiger Geifer oder Blut.
Nein, heute treiben die modernen Rachegeister die Gedanken intelligenter und sensibler Zeitgenossen an die Zukunft des bald nicht mehr „blauen Planeten“ beinahe in den Wahnsinn, die Erinnerungen an den jahrzehntelangen Raubbau an den endenwollenden Schätzen in den Tiefen von Gäa und an der Atmosphäre über ihr, an die durch letzteres Fehlverhalten ständig steigenden Naturkatastrophen vermischt mit den allerorten wütenden Kriegsfurien.
Apropos: Ich bitte, sich vorzustellen, dass während der Zeit der Austragung der antiken Spiele hier an dieser antiken Stätte Olympia alle kriegerischen Handlungen im Lande ausgesetzt werden mussten!
Höre Putin! Höre IS und deine neuen Krebsgeschwüre! Höret Hamas, Hisbolla, Iran, ihr Huthi-Rebellen am Golf von Aden und all ihr Dschihadisten allzumal! Schma Jisrael! Höret ihr Tutsi-Völkermörder in Ruanda! Höret, ihr Wagner-Söldner! Höret ihr genozidalen Chinesen! Höret ihr barbarischen Warlords auf dem schwarzen Kontinent und ihr Großmächte im Hintergrund, die ihr euch durch Stellvertreterkriege die reichen Bodenschätze Afrikas streitig machen möchtet! Höret, ihr schurkischen und gewissenlosen Waffenhändler! Höret, ihr liberal-kapitalistischen Magnaten, die ihr durch eure unersättliche Gier auf Profitmaximierung erst so viele Gewalttaten ermöglicht; nehmt endlich eure fetten Zigarren aus euren Ohren und hört die Schmerzensschreie der geschädigten Betroffenen! Genug, genug, genug!!! Leider wird diese Liste von meinen Leserinnen und Lesern selbst noch unschwer wesentlich erweitert werden können!
Doch dann kommt in di Donatos Meisterinterpretation endlich wieder auch die „Hoffnung“ (in Form von sprießenden Setzlingen, Blüten, Lorbeer- und Olivenzweigen, einem harmonischen Streichorchester und einem Jugendchor) ins Spiel. Und vielleicht wird das Paradies (EDEN) doch noch einmal wiederkehren.


Dann würde uns allen, die auch wir einmal unabsichtlich die Urmutter ERDE, oder jemanden aus ihrer Bewohnerschaft schwer gekränkt haben, vielleicht der Lorbeer der Vergebung zuteil werden.
Zusammenfassend könnte man sagen: Joyce di Donato hat höchst lebendige Kunst und Kultur in die Ruinen von Olympia zurückgebracht. Als alle Steine der Wettkampfstätten, Tempel und Schatzhäuser noch aufrecht standen, waren das dortige Leben und Treiben und vor allem auch die Sieger in den Bewerben auch in künstlerische Sparten eingebunden.
Und ich denke jetzt nicht nur an den berühmten Diskuswerfer (Diskobolos), im nicht erhaltenen Original ein Werk aus Bronze (das in römischer Zeit häufig in Marmor kopiert wurde) des berühmten griechischen Bildhauers Myron aus dem 5. Jh. v. Chr. (unten eine Rekonstruktion, die den Lancelotti-Kopf mit der im Vatikan befindlichen Replik des Körpers verbindet):

Beliebt waren die hippischen Bewerbe, vor allen Pferderennen. Da der Pferdesport allerdings mit hohen Kosten verbunden war, konnten sich nur Angehörige reicher und aristokratischer Familien an den Wettbewerben beteiligen. Als Teilnehmer galten nicht die Wagenlenker oder Reiter, sondern die Besitzer der Pferde. Auf diese Weise konnten auch Frauen Olympiasiege erringen. (Sonst waren Frauen von der Teilnahme an olympischen Wettbewerben überhaupt ausgeschlossen.)

Leider gab es auch schon im antiken Sport unfaire Handlungen (in diesem Falle aber glücklicherweise geahndet):

Halsamphore um 510–500 v. Chr. Foto: Matthias Kabel; CC BY 2.5; Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Olympische_Spiele_der_Antike#/media/Datei:Boxers_Staatliche_Antikensammlungen_1538.jpg
Der rechte Boxer geht zu Boden und gibt mit ausgestreckter Hand und Finger das Zeichen zum Aufgeben. Sein Gegner dringt trotzdem weiter auf ihn ein und wird deshalb vom Kampfrichter mit einer langen Gerte geschlagen.
An einer anderen Vasenmalerei (450-440 v. Chr.) können wir beispielsweise ein ganzes erfolgreiches Sportlerleben ablesen:

Es handelt sich um einen „prachtvollen, großen Kolonetten-Krater aus der attischen Werkstatt des Orpheus Malers. Die Malerei im rotfigurigen Stil zeigt auf der Hauptseite die Krönung eines knabenhaften Athleten durch die Göttin Nike im Gymnasium. Der kleine, unbekleidete Junge blickt zu einem weiteren unbekleideten Athleten, der älter und größer ist und ihn ebenfalls anblickt. Zwischen ihnen steht ein reifer und bärtiger Mann mit umgeworfenem Mantel und Stock. Er ist mit einem Lorbeerkranz bekrönt und blickt die Göttin Nike an, die gleichsam von rechts ins Bild schwebt. Nike trägt ein langes, fein gezeichnetes Kleid mit gesticktem Saum und üppigem Faltenwurf. Sie hat das rechte Bein vorangestellt und das linke nach hinten gestreckt. Ein Band hält ihren Haarknoten nach oben. Die Arme sind angehoben, um den kleinen Athleten zu bekrönen. Über den Personen Strigilis und Gewichte. Die emotionale Darstellung zeigt ein und denselben Athleten in drei Lebensphasen: den Knaben nach seinem ersten Sieg, den ausgewachsenen Mann, der zu einem erfolgreichen Athleten wurde und schließlich den vielfach dekorierten Sieger im gereiften Alter, der auf sich selbst als Knaben zurückblickt. Der Krater stellt also das Leben eines Athleten dar und war wohl die Grabvase dieses Mannes. … Die Unterseite des Kraters wurde in der Antike gelocht, um das Gefäß zum Mischen von Wein und Wasser unbrauchbar zu machen und vor Grabraub zu bewahren.“
Gewiss noch wichtiger als solche kunstvoll gestaltete Gegenstände war aber wohl das Perpetuieren des ruhmvollen Angedenkens an Olympiasieger durch Gesamtkunstwerke, wie sie vor allem der Dichter Pindar schuf. Wir müssen uns seine Gedichte als choreografierte Kantaten vorstellen, die im Rahmen eines Kultes oder einer Feier durch einen Männer- oder Frauenchor mit Instrumentalbegleitung aufgeführt wurden.
O Pindar, mögest du wiedergeboren werden, zu rühmen jene, die jetzo Polyhymnia, die Muse des Gesanges würdig vertritt; für uns ein einmaliges Geschenk („donato“) der Freude („joyce“): JOYCE di DONATO.

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