Hintergrund zu „Eine nordische Sage“
IN JEDER SAGE STECKT EIN WAHRER KERN
Natürlich ist es ein Produkt meiner Fantasie, was ich kürzlich für eine interessierte Leserschaft unter dem Titel „Eine norddeutsche Sage“ zu Papier gebracht habe. Doch das unverzichtbare Detail über die Nordtüre der Kirche fußt tatsächlich auf sehr altem Volklsglauben, der davon ausgeht, dass böse Geister und Dämonen aus dem Norden kommen, dem Ursprungsgebiet alles Übels.
Am Ende der Welt, in den gefährlichen, unbekannten und fremdartigen nördlichen Gebieten hatte Satan seinen Aufenthaltsort; hier lag die ureigene Heimstatt des Höllenfürsten. Denkt man an die beißenden, eiskalten Nordwinde, die mit wilder und teuflischer Wut heulten und jährlich viele Erfrorene auf dem Gewissen hatten, so findet man vielleicht in der gnadenlosen Natur eine Begründung für diesen Aberglauben.
Das unheimliche Ende der Welt lag auch nach allgemeiner Meinung im äußersten Norden. Ein antiker griechischer Entdecker namens Pytheas aus Massilia (Marseille) hatte im 4. Jahrhundert v. Chr. Nordwesteuropa bereist. Er behauptete, eine Insel, die er „Thule“ nannte, befinde sich sechs Tagesfahrten nördlich von Britannien. Darüber hinaus gäbe es nichts mehr, daher „Ultima Thule“. Schon im Altertum entbrannten Streitigkeiten, wo diese Insel tatsächlich zu verorten sei. Man warf sich kritisch Fehler vor, bezweifelte Entfernungsangaben, vermutete Fälschung und Betrug.
Es ist daher keinesfalls verwunderlich, dass die Insel Thule, von der niemand mit Sicherheit wusste, wo sie lag und ob es sie überhaupt in der Realität gab, immer mehr in den Bereich des Mythos rückte, etwa wie Atlantis, Camelot als Hof des sagenumwobenen Königs Arthus, oder seine Entrückung auf eine Insel Avalon nach seinem Tod.
Es wird daher auch nicht verwundern, dass der schwedische Geistliche, Kartograph und Geograph Olaus Magnus dieses Eiland mit dämonischen Fischen umgab, wobei es sich bei einem wohl um einen Wal handelt, begleitet von einem Orca (Killerwal).

Daher ist es ein Unding sondergleichen, eine zu öffnende Kirchentüre in die Nordseite einer Kirche zu verlegen, wie dies durch verblendendes Teufelswerk in meiner Sage passiert ist.
Ihr hättet gerne Beweise, dass das kein Hirngespinst von mir ist? Könnt ihr gerne haben: Unter dem Stichwort „Stabkirche“ kann man im Internet (WIKIPEDIA) lesen, dass die Nordseite der Kirchen nach altem Glauben den Geistern der Nacht besonders ausgesetzt war und deshalb speziell geschützt werden musste. Das wird auch hier als Grund dafür angegeben, dass auf der Nordseite Eingänge und Fenster fehlen. Dazu muss man vorher noch wissen, dass an den Hauptportalen der Kirchen (also West- und Südportal) gerne alte heidnische Symbole und Ornamente angebracht worden waren (Christentum und Heidnisches existierten in Norwegen etwa 200 Jahre parallel, da die Priester oft auch ausnützten, dass heidnische Symbole oder Sagen auch ins Christliche umgedeutet werden konnten). Grundlage für diesen Aberglauben ist die Annahme, dass man Dämonen nur mit ihresgleichen abschrecken könne, Drachen fürchten sich nur vor Drachen etc. Deshalb haben sogar noch unsere mitteleuropäischen gotischen Kathedralen oft noch Ungeheuer als Wasserspeier.
Wie so eine Türe aussehen konnte, sehen wir auf dem nächsten Bild (UNESCO-Weltkulturerbe):

Sie stammt aus der norwegischen Stabkirche von Urnes, die ein besonders krasses Beispiel für den Glauben ist, dass die bösen Geister aus dem Norden anstürmen. Sie war nämlich ursprünglich eine echte Türe beim Haupteingang (Westen oder Süden). Dann hat man sie abgelöst, gekürzt und neu an der Nordseite angebracht, wo aber gar keine Türe war und auch keine ausgebrochen wurde. Sie sollte nur die Abwehr der nördlichen Dämonen mit ihrer apotropäischen Funktion (= Schutzzauber) zusätzlich verstärken.
Selbst bei den normalen Zugängen zu den Stabkirchen (also, wie erwähnt, Westen und Süden) wollte man sich für alle Fälle noch einmal zusätzlich schützen, falls sich ein Dämon doch auch einmal um die Ecke verirren sollte. Man sicherte die (schmale Türe) ein weiteres Mal durch eine extra hohe Schwelle ab, welche die Geister nicht überwinden können.
Auch wenn die Dämonen nicht ü b e r die Schwelle gelangen können, so versammeln sie sich maßlos wütend gerne u n t e r ihr, denn sie sind besessen von der Absicht, den Menschen zu schaden.
Daher stammt auch der uralte Brauch, dass der Bräutigam die frisch Angetraute über die Schwelle seines Hauses trägt, über diese Zone äußerster Gefahr.
Überhaupt ist die Hochzeit ein bedeutender Einschnitt im Leben, ein „rite de passage“, ein Übergangsritus von einer Seinsstufe in eine andere. Und zu solchen Zeiten ist die Geisterwelt (die auch sonst nie ganz verschlossen ist; siehe Goethe, Faust) besonders offen. Deshalb trägt die Braut auch einen Schleier, damit die jenseitigen Wesen sie nicht erkennen und die Vermählung womöglich noch im letzten Augenblick durch boshafte Missgeschicke verhindern können. Frühestens darf der Brautschleier daher erst nach dem Ehegelübde gelüftet werden, wenn der Bräutigam die Braut küssen darf. Es gab aber auch Bräuche, bei denen damit bis zum ersten Tanz („Schleiertanz“) gewartet werden musste, mancherorts sogar bis Mitternacht.
Und auch Lärm vertreibt die bösen Geister. Das hat sich bis heute erhalten, in Österreich etwa durch das „Hochzeitsschießen“. Die Freunde der Braut oder des Bräutigams versammeln sich zu früher Stunde vor dem Haus der Braut – beim Schlafzimmerfenster – und machen mächtig Lärm. Das Hochzeitsschießen kann mit Böllern, Schweizerkrachern oder traditioneller Blasmusik erfolgen. Hauptsache, es ist viel Lärm im Spiel. Und ein solcher Hochzeits-Lärmbrauch hat sich auch bis heute erhalten, wenn Scherzbolde aus der Hochzeitsgesellschaft (die gar keine Ahnung davon haben, was für eine wichtige Aufgabe sie erfüllen) fürchterlich scheppernde Coca-Cola-Dosen (oder ähnliches) an das Auto binden, mit dem das Brautpaar auf Hochzeitsreise fährt, damit es auch in dieser Zeit vor außerweltlichem Ungemach geschützt bleibt.

Meine nächsten Erläuterungen betreffen die Frage, warum ich den Erzengel Michael als Retter für den Meister Heinrich von Buxtehude habe auftreten lassen. Nun, Michael bekämpft unablässig das Böse, das uns den Weg in die andere Welt versperrt. Er ist es, der unsere Seele hinüberbegleitet, durch den Tod in eine helle Welt. Dazu müssen aber zuvor alle widrigen Hindernisse bekämpft werden. Gewöhnlich gehört diese Engelsgestalt in den Westen einer Kirche, also an die Wand, die mit dem Tod verbunden ist, und dem Osten, der Auferstehung, gegenübersteht. Gewöhnlich ist im Westen der Eingang und der Ausgang des Kirchenraumes. Also, wenn wir hinausgehen, sollen wir noch einmal dem Michael begegnen, der uns versichert, uns beizustehen, wenn es gilt, den letzten Schritt aus der Welt hinaus zu tun. Wem er freilich nicht helfen kann, das ist der bis zum letzten Atemzug verstockte Sünder, der keine Reue für sein im Leben begangenes Unrecht verspürt. Michael ist es daher auch, der die Seelen der Dahingegangenen wiegt.
Eine der herrlichsten Darstellungen des Erzengels mit der „Seelenwaage“ stammt von Rogier van der Weyden (um 1450).1
1 Das Standardwerk dazu: Leopold Kretzenbacher: Die Seelenwaage. Zur religiösen Idee vom Jenseitsgericht auf der Schicksalswaage in Hochreligion, Bildkunst und Volksglaube (= Buchreihe des Landesmuseums für Kärnten. Bd. 4). Verlag des Landesmuseum für Kärnten, Klagenfurt 1958.

Ein gewisser Lokalpatriotismus verleitet mich, noch ein altes Bild zu präsentieren, und zwar aus Maria Gail in meiner Kärntner Heimat.

Doch erkennt man den Erzengel Michael nicht nur am Attribut der Seelenwaage als Symbol diviner Gerechtigkeit. Ihn kennzeichnen nämlich auch Schwert und/oder Lanze, denn er ist auch der oberste Feldherr der himmlischen Heere, der Standartenträger („signifer“) Gottes, der mit seinen geflügelten Truppen Lucifer und seine abtrünnigen Scharen aus dem Himmel in die Hölle vertrieb.

Und Sankt Michael ist es auch, der die nach altem Volksglauben von Gott verhängten Strafen exekutiert, etwa (als wohl berühmtestes Beispiel) die Pandemie der sogenannten „Justinianischen Pest“, die 590 Rom erreicht hatte. Um sie abzuwenden organisierte Papst Gregor I. der Große für die römische Bevölkerung eine Bußprozession. Sie wurde offensichtlich erhört, denn den Teilnehmenden soll über dem einstigen Grabmal des römischen Kaisers Hadrian der Erzengel Michael erschienen sein, der ihnen das Ende der Pest verkündete, indem er das Schwert des göttlichen Zorns in die Scheide steckte. Die „Engelsburg“ (wie das ursprüngliche Mausoleum nach diesem Ereignis hieß) wurde später als sichere Festung – vor allem von den Päpsten – genutzt.


Peter Anton von Verschaffelt.
Foto: Rabax 63 -CC BY-SA 4.0; Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:EngelsburgErzengelMichael2.jpg
Nun zur zweiten, den Baumeister errettenden Figur. Lange habe ich überlegt, neben Michael der Gottesmutter selbst diese Rolle anzuvertrauen. Als Widersacherin gegen den Teufel hätte es niemand besseren geben können, zertritt sie doch nach dem Protoevangelium die höllische Paradiesesschlange.

Ob sie jedoch die Hexe Amernalecto ihrer wohlverdienten Höllenstrafe zugeführt hätte, halte ich nicht für ganz sicher. Denn Maria ist voll Mitleid mit Sündern, nicht nur den reuigen, sondern sogar den bereits verdammten. Diese Apokryphe von „Mariens Gang zu den Qualen“ hat es sogar zu höchsten literarischen Ehren gebracht, und zwar in Fedor Dostojevskijs reifem Spätwerk „Die Brüder Karamazov“ (1879/90): „Da gibt es zum Beispiel ein kleines Poem aus einem Kloster (natürlich eine Übersetzung aus dem Griechischen): ,Der Gang der Gottesmutter durch die Qualen‘, von einer Kühnheit und mit Bildern, die sich wohl mit Dante messen können. Die Gottesmutter besucht die Hölle und es führt sie ,durch die Qualen‘ der Erzengel Michael. Sie sieht die Sünder, wie sie gequält werden. Da gibt es unter anderem eine beachtenswerte Gruppe von Sündern in einem brennenden See: von denjenigen unter ihnen, die schon so tief in diesen See versunken sind, dass sie nicht mehr hinausschwimmen können, heißt es: ,ihrer vergisst Gott schon‘ – ein Ausdruck von außerordentlicher Tiefe und Kraft. Und da fällt dann die Gottesmutter überwältigt und weinend vor dem Thron Gottes nieder und bittet um Erbarmung für alle, die in der Hölle sind, für alle, die sie dort gesehen hat, ohne Unterschied. Ihr Gespräch mit Gott ist ganz außerordentlich interessant. Sie fleht und fleht und geht nicht weg, und wie Gott ihr die Nägelmale an den Händen und Füßen ihres Sohnes zeigt und sie fragt: ,Wie soll ich seinen Peinigern verzeihen?‘ — da befiehlt sie allen Heiligen, allen Märtyrern, allen Engeln und Erzengeln zusammen mit ihr niederzufallen und für alle ohne Untersuchung ihrer Schuld um Erbarmung zu flehen. Es endet damit, dass sie von Gott eine Unterbrechung der Qualen in jedem Jahr von Karfreitag bis Pfingsten erfleht, und sogleich danken die Sünder aus der Hölle dem Herrn und rufen ihm zu: ,Gerecht bist Du, o Herr, dass Du also gerichtet hast!‘ . . .“
Ihr seht, meine Skepsis, dass es zu einer adäquaten Bestrafung der Teufelsbraut Amernalekto kommen würde, war keinesfalls unbegründet.
Daher kommt eher die hl. Maria Magdalena zum Einsatz, wenn es um die Bestrafung von notorischen Lügnerinnen, dreisten Diebinnen, mit dem Teufel buhlenden Hexen und Zauberinnen sowie allen verstockten und unbußfertigen Weibsbildern geht, im vorliegenden Fall eben um die Verdammung der betrügerischen ehemaligen „Wirtin“. Warum dies so ist? Nun, Faktum ist laut den Evangelien, dass die Heilige aus Magdala am See Genezareth eine eifrige Begleiterin und Jüngerin Jesu sowie Zeugin seiner Kreuzigung war und ihm als erste nach seiner Auferstehung begegnete („Noli me tangere“). Aufgrund von Missverständnissen und Verwechslungen mit anderen weiblichen Gestalten bildeten sich später Legenden heraus, die annahmen, sie sei eine sündige Hure gewesen, die aber nach der Begegnung mit Christus ihr ganzes weiteres Leben in Reue zubrachte.
Die Legenda aurea, das bekannteste und am weitesten verbreitete religiöse Volksbuch des Spätmittelalters, berichtet, sie wäre gemeinsam mit Maria des Kleophas, Martha von Bethanien und Lazarus von Juden auf einem segellosen Schiff ausgesetzt worden, aber auf wunderbare Weise in dem südfranzösischen Fischerdorf Saintes-Maries-de-la-Mer bei Marseille angelangt. Begleitet hätte sie auch ihre Dienerin, die schwarze Sarah, eine Patronin der Roma und Sinti, die jährlich in großer Zahl hierher pilgern.

Foto: Armin Kübelbeck -CC BY-SA 3.0; Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Notre_Dame_de_la_Mer_02.jpg
Nur der Kuriosität halber:

Diese Darstellung von Fischerbooten wird vielen bekannt sein. Aber nicht alle werden vielleicht wissen, dass sie van Gogh eben auch am Strand von Saint-Maries gemalt hat.
Maria Magdalena soll in der Provence eifrig missioniert haben um dann die letzten 30 Jahre ihres Lebens als Einsiedlerin in einer Höhle im Massif de la Sainte-Baume verbracht haben.

Eines der berühmtesten Maria-Magdalena-Bilder sei nicht vorenthalten. Es stammt von Georges-de-La-Tours (ca. 1640)) und zeigt die Heilige mit dem Totenkopf als Vergänglichkeitssymbol, sinnierend in die rauchende Kerze blickend.

Doch jetzt noch zu dem die Blößen der Heiligen über und über bedeckenden Haar-und Fellkleid. Es war ihr von den Himmlischen verliehen worden, um ihre Zurückgezogenheit, ihr asketisches und der Buße gewidmetes Leben auch für die Außenwelt sichtbar werden zu lassen. Das Fell sollte sie zusätzlich vor dem Angriff wilder Tiere schützen. In meiner Sagenversion konnte die Jüngerin diese ihre naturgegebene „Bekleidung“ in Flammen setzen und den Teufel damit mehr als zum Schwitzen bringen.
Maria Magdalenas so besondere Erscheinung hat natürlich stets die bildende Kunst inspiriert, da sie so auch von Engeln in den Himmel getragen wurde. Die wohl schönste plastische Darstellung stammt von keinem Geringeren als Tilman Riemenschneider.

Einen scharfen Kontrast zu diesem Kunstwerk stellt Donatellos Darstellung der Heiligen als durch exzessive Buße und Askese ausgemergelte Sünderin dar. Donatello brach also mit der verbreiteten Konvention, Magdalena als junge schöne Frau zu präsentieren.
Die 1440/42 geschaffene Statue wurde bald im Florentiner Baptisterium aufgestellt, befindet sich jetzt aber nach eingehender Restaurierung der schweren Hochwasserschäden von 1966, als sie bis zur Hüfte in Schlamm und Wasser stand, im Museo dell’Opera del Duomo.
Eine eingehende Analyse verrät gute anatomische Kenntnisse des Künstlers.


Beileibe nicht jeder Maler ließ sich durch das legendäre Haarkleid daran hindern, nackte weibliche Schönheit doch noch auf die Leinwand zu bringen. Einer davon war Giampietrino, eigentlich Giovanni Pietro Rizzoli (dokumentiert von 1495 bis 1549). Er war ein italienischer Maler der lombardischen Schule und des Leonardo-Kreises. Der Künstler war sehr produktiv im Schaffen von großen Altarbildern, Madonnen, weiblichen Heiligen in Halbfigur und mythologischen Frauengestalten.


Nochmals ein abschließender Szenenwechsel. Es bleibt nämlich noch zu klären, warum Meister Heinrich überhaupt zunächst einen Verdacht hegte, es könne sich bei dem von der Wirtin geforderten Turm neben dem angeblichen Wirtshaus um einen Glockenturm handeln.
Nun, er kam gerade aus Pisa. Und dort sollte es ja zu jener Trennung der Kirchenschiffe vom Campanile kommen, die später bis zum heutigen Tag weltberühmt werden sollte, weil letzterer sich immer stärker in eine gefährliche Schräglage begab.

Aber es kannte sich Maestro Enrico nicht nur in welschen Landen aus, er hatte durchaus auch Kenntnis von den skandinavischen Stabkirchen, bei denen der hölzerne Glockenturm stets ebenfalls abseits stand.

Aber ebenso viele Trümpfe hatte auch Amernalekto in der Hand, in Wirklichkeit sogar einige mehr davon, da sie den Ausschnitt ihres Wamses schon ein wenig erweitert hatte und nun auch noch ihren Rock nicht unbeträchtlich emporzog. Und überdies konnte sie überzeugend viele Beispiele von turmartigen Taubenschlägen vorbringen, wie man sie sowohl in England, als etwa auch in Südfrankreich finden konnte.

Foto: Rog Frost – CC BY-SA 2.0; Quelle:https://commons.wikimedia.org/wiki/File:
Dove_Cote_at_Bemerton_Farm_-_geograph.org.uk_-_84738.jpg

Davon hatte Heinrich natürlich ebenfalls Kunde und hegte ab sofort keinen Verdacht mehr.
Jetzt hoffe ich nur noch, dass es mir gelungen ist, die verschiedenen Elemente meiner Sagenerfindung plausibel zu erklären.
Oh, jetzt war ich unaufmerksam, und sogleich ist mir mein Dichterross „Pegasus“ durchgegangen. Ich kann ihn gerade nicht mehr bremsen. Laut wiehert er zu mir zurück (was klingt, als würde er über einen gelungenen Scherz schallend lachen): „Vielleicht war das alles gar keine Erfindung von dir? Weißt du denn nicht, dass die Heide ein sehr geheimnisvoller Ort ist? Alle Bäume haben ihr Eigenleben – wer weiß schon, wer sie bewohnt? Engel, Hexen, Elfen, Dämonen, Rachegespenster? Und sind alle Heidschnucken wirklich Schafe? Oder Seelen im Fegefeuer der violett brennenden Heide? Welche Geister wohnen in den granitenen Findlingen, welche Krieger oder gar Fürsten sind unter ihnen begraben? Könnte es da nicht auch sein, dass alle Archivalien, die Auskunft über einen wirklich existierenden Meister Heinrich von Buxtehude hätten geben können, zugrunde gegangen sind, etwa bei dem großen Stadtbrand von Buxtehude im Dreißigjährigen Krieg?“
So, jetzt habe ich den vazierenden Phantasus aber wieder eingefangen und an die Kandare genommen. Entschuldigt bitte! Nichts für ungut!


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