
Ich konnte gerade meinen 80. Geburtstag feiern. Wem bei so einem Anlass nicht auch das Motto „GRENZENLOS ÄLTER WERDEN“ in den Sinn käme, der ist ein Griesgram und Sauertopf,
Eine solche Nachrede wollte ich natürlich nicht riskieren. Vielmehr habe ich plötzlich bemerkt, dass ein ohne jeden Hintersinn „geschossenes“ Erinnerungsfoto eigentlich auch einen großen Symbolgehalt aufweist. Da ist natürlich einmal die große Standuhr in meinem Wohnzimmer. Sie gemahnt freilich an das berühmte Diktum des großen englischen „Metaphysical Poet“ John Donne aus seinem Gedicht „Kein Mensch ist eine Insel“: „Verlange nie zu wissen, wem die Totenglocke schlägt, sie schlägt für dich selbst!“ (Vgl. Hemingways Roman „Wem die Stunde schlägt“ / „For whom the bell tolls“). Wenn es einmal so weit ist, würde ich mir wünschen, man könnte auch auf meinen Grabstein schreiben, was auf jenem des großen griechischen Schriftstellers Nikos Kazantzakis (Autor etwa des verfilmten Romans „Alexis Sorbas“) steht: „Ich erhoffe nichts. Ich fürchte nichts. Ich bin frei!“
Aber: HALT! GEMACH! Noch sind wir beileibe nicht so weit! Unter der Uhr steht doch ein Blumenstrauß. Also blühen Blumen und singen Vögel (sie sind auf der Vase dargestellt) immer noch auch für einen Greis, auf den der 80er unter der Vase hinweist.
Nochmals STOP! Die Folien-Ballon-Zahl versprüht ja silbernen Glanz! Und den beziehe ich nicht auf meinen eisgrauen Bart, sondern er macht mich „übermütig-demütig“ (verrückte spontane Wortschöpfung von mir) im Sinne von Ingeborg Bachmanns Gedichtzeilen (der Todestag der berühmten Dichterin fiel übrigens genau auf meinen 30. Geburtstag): „…Vom hohen Trapez im Zirkuszelt spring ich durch den Feuerreifen der Welt! Und gebe mich in die Hand meines HERRN. Und ER schickt mir gnädig den Abendstern.“
Ich freue mich, in solchem Sinne weiterhin „grenzenlos älter zu werden!“

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