Reisen: nur für solche, die gerade aufbrechen, um ihr bisheriges Abenteuer im Kopf in die Realität umzusetzen!

Ein kleiner Beitrag zur noch immer starken Reisezeit. 
Aber Achtung: nicht für Raser, nicht für Flug-Kerosin-Vergeuder, nicht für geizige Meilensammler!

Menschen müssen seit langem gewusst haben, dass Reisen viel Vergnügen bereitet, vor allem denen, die ihre kindliche Neugierde für andere Lebensarten, Landschaften, Gebräuche, Speisen und Getränke, Tänze etc. etc. bis zur Bahre bewahren. In Robert Schumanns Klavierstücken unter dem Titel „Kinderszenen“ heißt der erste Titel bezeichnenderweise „Von fremden Ländern und Menschen“. Und gerade kommt mir auch folgender Gedanke: Vom großen Max Reinhardt (Begründer der Salzburger Festspiele) stammt dieses berühmte Zitat: „Ein Schauspieler ist ein Mensch, dem es gelungen ist, die Kindheit in die Tasche zu stecken und sie bis an sein Lebensende darin aufzubewahren.“ Was wäre, wenn wir das Wort „Schauspieler“ durch „Reiselustiger“ ersetzen würden. Wahrscheinlich war sogar Goethe ein solcher, wenn ich an seine Italienreisen und die drei Schweizerreisen denke. Gerne möchte ich euch sein Zitat für die kommenden Tage mitgeben: „Man reist nicht um anzukommen, sondern um zu reisen.“ Und ein reisender „Lausbub“ war auf jeden Fall Mark Twain.

Seit Ewigkeiten wusste der Mensch aber ebenfalls, dass (aus welchen Gründen auch immer erforderliches) Reisen (früher oft eher nicht zum Vergnügen) mit großen Mühen und Gefahren verbunden sein konnte. Ein Beweis dafür kann gewiss sprachlich geführt werden. So bedeutet „Travel“ im Englischen die „Reise“, „Travail“ hingegen aber auch „Arbeit, Mühe, schmerzliche Anstrengung“. Im Französischen ist „travailler“ ebenfalls mit Arbeit und Mühe verbunden; die Reise aber heißt „voyage“, vom Lateinischen „viaticum“ < „via“ (Weg, Route). Auch im Italienischen getrennt: „viaggio“ Reise (< viaticum); neben „lavoro“ (< lateinisch „labor“), (Arbeit, Mühe), aber auch „travaglio“.

Die „travel/travaile/travailler“-Formen stammen von vulgärlateinisch *tripaliare“ (foltern) ab, das seinerseits von *tripalium“ abstammt, einem Folterinstrument, das wie das Andreaskreuz aussieht.

Bild: ManuRoquette, CCAS, (File:Tripalium.png – Wikimedia Commons)

Kein Wunder, dass man sich daher seit jeher an höhere Mächte um Beistand für einen glücklichen Reiseablauf gewandt hat, während dies heutzutage wohl eher selten geworden ist, obwohl sich in der Gegenwart ganz neuartige Gefahren in Zusammenhang mit einem Ortswechsel aufgetan haben: Flugzeugabstürze, versinkende Schiffsfähren, Busabstürze, Auto-Massenkarambolagen etc. Spüren wir ein wenig nach, auf welche Weise man sich früher der Hilfe starker, wenn auch irrationaler Mächte versichern wollte. Ich kenne zwei sehr eindrucksvolle Beispiele aus der Antike. Selbst besucht habe ich das Museum in Comacchio, wo vor der Po-Mündung ein römisches Schiff im Sturm gesunken war und 1981 mit seiner gesamten Fracht gefunden wurde, die nun in der musealen Sammlung ausgestellt ist. Darunter befinden sich mehrere von Privatpersonen auf ihrer Schiffsreise mitgeführte Hausaltärchen (ca 10 cm hoch). Vor ihnen konnte man auch an Bord persönliche Andachten abhalten.

Das zweite Beispiel ist vielleicht noch eindrucksvoller. In der Antike war der an Stärke und Willenskraft unübertroffene Herkules so viel wert, wie im Christentum ein ganzes Paket „Nothelfer“. Von Händlern und Reisenden wurde zu dieser Zeit bereits hochalpines Gelände überquert (in Wahrheit schon viel früher: siehe „Ötzi“). Zum Teil ist sogar römisches Straßenpflaster auch heute noch vorhanden und sichtbar, etwa am Korntauern im österreichischen Ankogel-Gebiet.

Foto: G. Auferbauer (https://www.bergfex.at/sommer/kaernten/touren/wanderung/10788,korntauern-runde/#images-bergfex.touren.10788-2)

Wir begeben uns aber jetzt sogar auf die Großglockner-Hochalpenstrasse, die jährlich von etwa einer Million Menschen befahren wird. Bei der Erbauung dieses spektakulären Verkehrswegs wurde 1933 beim geplanten Hochtortunnel (in ca. 2500 m Höhe!) eine Herkulesstatue gefunden.

Die Kultplastik ist nur wenige Zentimeter groß, trägt als Attribut das Löwenfell, und stand in dem oberhalb des Hochtor-Tunnels ausgegrabenen römisch-keltischen Heiligtum, das, höher als der griechische Olymp, Europas höchst gelegenes Heiligtum darstellt. Auch unten im Mölltal befand sich am markanten Danielsberg ein Herkulestempel, wo man bereits im Vorfeld eine glückliche Reise über das Hochgebirge erbitten konnte.

Über 1000 Jahre später zeigt der  „Weingartner Reisesegen“ (12. Jh.), dass auch das Christentum längst die Idee übernommen hatte, das Numinose um Schutz bei der Fahrt ins weitgehend Unbekannte anzuflehen.:

Ic dir nach sihe – ic dir nach sendi
mit minen funf fingirin funvi undi funfzic engili.
Got mit gisundi heim dich gisendi.
offin si dir diz sigidor, sami si dir diz segildor.
bislozin si dir diz wagidor, sami si dir diz wafindor.

Ich sehe dir nach, ich sende dir nach
mit meinen fünf Fingern fünfundfünfzig Engel.
Gott möge dich gesund heimsenden.
Offen sei dir das Tor des Sieges und auch das Tor der günstigen Segelwinde
verschlossen sei dir das Wogentor und auch das Tor der Waffen.

Einen sehr köstlichen alten irischen Reisesegen habe ich im Internet gefunden:

Möge dein Weg dir freundlich entgegenkommen,
möge der Wind dir den Rücken stärken.

Möge die Sonne dein Gesicht erhellen
und der Regen um dich her die Felder tränken.

Und bis wir beide, du und ich, uns wieder sehen,
möge Gott dich schützend in seiner Hand halten.

Gott möge bei dir auf deinem Kissen ruhen.

Deine Wege mögen dich aufwärts führen,
freundliches Wetter begleite deinen Schritt.

Und mögest du längst im Himmel sein,
wenn der Teufel bemerkt, dass du nicht mehr da bist.

Eine ganz besonders intensive Nachfolge scheint der heidnische Herkules/Herakles im christlichen hl. Christophorus gefunden zu haben.1

Christophorus wird in der westkirchlichen Ikonographie häufig als Riese mit Stab dargestellt, der das Jesuskind auf den Schultern über einen Fluss trägt. Er zählt zu den vierzehn Nothelfern und ist heute besonders bekannt als Schutzheiliger der Reisenden.2

Dieric Bouts  (circa 1420–1475): Flügelaltar »Die Perle von Brabant«, rechter Flügel: Heiliger Christophorus

Diese Darstellungsform, wie sie auch sonst den meisten Christophorus-Bildern entspricht, bürgerte sich durch die Schilderung in der Legenda Aurea des Jacobus a Voragine (um 1270 in einem Dominikanerkloster in Genua entstanden) ein. Vorher gab es auch Bilder, die den Heiligen in statuarischer, frontaler Haltung, ohne Fluss zeigen. Christophorus wurde zum „Lieblingsheiligen“ des späten Mittelalters, so wie Herkules der „Lieblingsheld“ der Antike war. Er zählt daher (insbesondere vom 14. bis zum 16. Jahrhundert) zu den meistdargestellten Heiligen, so wie Herkules vergleichbar in zahllosen Statuetten oder auf antiken Vasen-Bildern repräsentiert wurde. Christophorus wurde zu Beginn des 16. Jahrhunderts als ein fast universaler Schutzpatron und Nothelfer verehrt. Dennoch gab es ein Hauptanliegen, das ein Gläubiger im Mittelalter an ihn richtete. Das war der Schutz vor einem jähen und demnach „bösen“ Tod, der keinen Akt der Reue und Bußfertigkeit mehr zuließ, sodass man auch nicht mit der Gnade Gottes rechnen konnte.

Seit dem 12. Jahrhundert kam es aber Christophorus zu, Christus auf seiner Schulter vorzuweisen, so wie der Priester, wenn er die Hostie in der Messe erhebt, die leibliche Anwesenheit Christi vorweist und somit die Erlösung von Sünde und Schuld verheißt. Insbesondere seit dem 12. und 13. Jahrhundert wächst die Verehrung der Hostie enorm. Es ist hier nicht der Ort intensiver darauf einzugehen, Interessierte seien aber auf Stichworte wie „Blutwunder von Bolsena“, „Fronleichnamsfest“ oder etwa auch „Hostienfrevel“ verwiesen. Der Kult ging so weit, dass man überzeugt war, dass das Anschauen der erhobenen Hostie nicht nur die Kommunion ersetzt, sondern dass, wer die Hostie an diesem Tag geschaut habe, auch vor plötzlichem Tod bewahrt bleibe. Das Ansehen der geweihten Oblate, in der Christus anwesend ist, genüge, dass der Gläubige schon damit den Heiland in sich aufnähme. Was soll dies nun mit dem hl. Christophorus zu tun haben? Nun, auf der Schulter des Heilige ist ja Christus abgebildet. Sieht man so ein Bild und schaut dabei Christus an, so hätte man diesen auch in sich aufgenommen und wäre damit für diesen Tag vor einem jähen und damit möglicherweise in die Verdammnis führenden Tod sicher. Bildunterschriften belegen expressis verbis diesen Glauben. Es galt also zu ermöglichen, möglichst leicht an ein Bildwerk mit Christophorus heranzukommen.

Dafür waren die Gegebenheiten extrem günstig, denn nach der Legenda aurea wäre der heilige, watende Fährmann zwischen 6 m und 9, 6 m groß gewesen. Dementsprechend riesig konnte man ihn auch darstellen – in den Kirchen selbst, vor allem aber an deren Außenwänden, sodass man ihn und das Christuskind auch von weiter entfernten Wegen aus sehen kann. Allein in meiner Heimat Kärnten gibt es über 500 solcher Außenfresken. Ich bringe ein Beispiel von einer prominenten Kärntner Kirche, dem „Dom“ von Maria Saal.

Christophorus-Fresko in Maria Saal (Foto: Rollroboter, CC-Lizenz: https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Maria_Saal_Fresko_Christophorus.jpg)

Eine besondere Kuriosität wäre dabei auch noch zu erwähnen: Fährt man in Kärnten auf der Bundesstraße in Richtung Seebergsattel (Grenzübergang nach Slowenien), so kommt man vor der Ortschaft “Bad Vellach” zu einem überlebensgroßen Felsbildnis des hl. Christophorus, zum einzigartigen Christophorusfelsen.

Es waren Fuhrleute aus dem Vellachtal, die 1861 erstmals das zwölf Meter hohe Bildnis des Schutzpatrons der Fuhrleute, Reisenden und Autofahrer auf den Fels malen ließen.

Es gibt in Kärnten sogar im politischen Bezirk St. Veit an der Glan einen Christofberg, auf dem der Bau einer Kirche 1627 urkundlich erwähnt wird. Im 17. und 18. Jahrhundert kam es zu einer Wallfahrtsbewegung mit großen Prozessionen (für 1772 sind 30 beurkundet). Es wird jedoch angenommen, dass der Christofberg schon lange davor eine Bedeutung als Wallfahrtsziel hatte.

Sankt Christoffel lebte in der Volksfrömmigkeit sogar während der Reformationszeit weiter. Martin Luther bezeichnete den Kult um Christophorus, wie andere Heiligenkulte auch, zwar wiederholt als „abergläubisch“, versuchte aber gleichwohl die Legende im Dienste seiner reformatorischen Bestrebungen nutzbar zu machen und beschäftigte sich in einzelnen Predigten ausführlich mit der Gestalt des Heiligen, den er als „geradezu prototypisches Sinnbild eines jeden Christenmenschen“ hinstellte.

In moderner Zeit machte Christophorus noch einmal Karriere, als er durch Papst Pius XI. zum Schutzpatron für Autofahrer und Verkehrsmittel ernannt wurde.3 Seitdem lassen manche Menschen ihr Auto in seinem Namen segnen oder haben eine Plakette in ihrem Fahrzeug. Mittlerseile segnet die Kirche auch Flugzeuge, Ballons, Schiffe, neue Eisenbahnlinien und ihre Fahrzeuge, Motorräder und Fahrräder. Umritte, Umfahrten, Einsegnungen und Bruderschaften halten das Gedenken wach. Die Kundenzeitschrift der Sportwagenschmiede Porsche ist nach Christophorus benannt, ebenso die Rettungshubschrauber des ADAC und des ÖAMTC sowie die Bayerische Rettungsmedaille. Ich bezweifle allerdings stark, dass alle Personen, die an solchen Weihen oder Aktivitäten teilnehmen, noch näheres über den Reisepatron wissen. Christophorus wurde 1962 aus der Liste der kanonischen Heiligen zwar gestrichen, weil seine Existenz legendär sei, er blieb aber im deutschen Diözesankalender erhalten; 2001/2004 wurde er auch wieder ins Martyrologium Romanum (Verzeichnis aller Heiligen und Seligen der römisch-katholischen Kirche) aufgenommen.

Trotz dieser äußerlichen Erfolge eines der Hauptvertreter der Nothelfer dürfte die Zahl der Durchschnittsmenschen, die an schützende Helfer glauben und sie anrufen, gegenüber früheren Zeiten drastisch gesunken sein. Die Patrone scheinen durch den grellen rationalen Scheinwerferkegel einer gnadenlosen Aufklärung geblendet in eine nie mehr erreichbare Anderswelt geflüchtet zu sein, sogar Christophorus und seine in der Not anrufbaren Kolleginnen und Kollegen ebenso wie Herkules. Und die zauberischen Segen haben keine Wirkung mehr, sie sind nur mehr exotisches, längst nicht mehr verständliches Raunen und Wortgeklingel.

Man könnte die in den letzten Jahren exponentiell gesteigerten technischen Sicherungen etwa in Autos der gehobenen Klasse dafür verantwortlich machen, als da z.B. wären: Notbremsassistent. Notfall-Spurhalteassistent. Geschwindigkeitsassistent, Black Box, Notbremslicht, Vorrichtung zum Einbau einer alkoholempfindlichen Wegfahrsperre, Müdigkeitswarner, Rückfahrassistent und Sicherheitsgurt-Warnsystem.

Im aeronautischen Bereich ist es die ständige Weiterentwicklung von Flugsicherungssystemen, etwa Remote Tower Control, Global Positioning System (GPS), Instrument Landing System (ILS), Funkfeuer, eigene Instrumentenflugregeln und Sichtflugregeln, Autopilot, ständige Verbesserung der Flugzeugtechnik unter Nutzung der Erkenntnisse aus vorangegangenen Crashs. Traffic Alert and Collisions Avoidance System (TCAS) als Kollisionswarnsystem, EGPWS (Dieses System warnt den Piloten beim Anflug oder dichten Überflug von Erhebungen, dass er zu dicht an einem Objekt herankommt), Redundanz (Verdoppelung bis Verdreifachung) der Systeme gegen Ausfälle, Test der Piloten zweimal im Jahr, und dergleichen mehr.

Eine andere Fraktion führt das Verblassen der abendländischen Helfer, Schützer und Patrone auf ein Anwachsen der Vorliebe vieler für pseudoesoterische Praktiken aus anderen Kulturkreisen zurück, was deren Attraktivität vor allem für Leichtgläubige mit geringerem Bildungsgrad erhöht. Ich denke etwa an das schamanische Trommeln, das Lärmen mit der Seelenrassel, das Hereinholen von Mini-Stonehenge-Steinkreisen in den eigenen Garten, die Adlerfeder im Haar, der Glaube an mythische Tiere mit weißem Fell und blauen Augen, oder an Drachen, die besten aller Lebewesen, die selbst an Orte kommen können, die für Engel unerreichbar sind. Geld, das früher im Opferstock landete, fließt nun in vielfacher Höhe in die Brieftaschen von Gurus, die spirituelle Fernbehandlungen über hunderte von Kilometern anbieten etc. Es ist wie mit den Sekten. Leute, die als vermeintliche „Freigeister“ jeglicher Zugehörigkeit zu Kirchen abgeschworen hatten, unterwerfen sich den unsinnigsten und profitgierigsten Sekten mit ihren ultrastrengen, oft jede persönliche Freiheit unterdrückenden Regeln.

Ich hatte selbst vor einer – gefühlten – Ewigkeit selbst ein sehr trauriges Erlebnis, als ich einer Person, die ich mochte, vor deren langer Reise ein etwa diesem Beitrag entsprechendes Wissen über unsere europäischen geistigen Reisebegleiter der Vergangenheit übermittelte, selbstverständlich nur als altes kulturelles Rüstzeug, an das gewiss nicht geglaubt werden muss (selbst ich weiß für mich nicht so genau, ob ich das selbst tue). Möglicherweise war am Anfang ein gewisses Interesse da, das aber immer mehr erlahmte. Am längsten wurde noch der gute alte Herkules beachtet. Doch dann verschwand auch er in der Nähe „seiner Säulen“, „Plus ultra“, auf Nimmerwiedersehen, als er merken musste, dass heutzutage seine spannende Geschichte über den Raub der Äpfel der Hesperiden, bei der er letztlich den das Himmelsgewölbe tragenden Atlas austricksen konnte, nicht einmal mehr ein paar Tage im Gedächtnis haften bleibt.

Wenn freilich die Guten verschwinden, gekränkt, weil man kein Interesse mehr an ihnen hat, sie kaum mehr beachtet und wertschätzt, dann gewinnen die Bösen die Macht. Es ist der Moment, auf den sie hart gewartet haben. Und kaum war auch Herkules weg, trat Eris auf den Plan, die alte griechische Göttin der Zweitracht. Sie war übrigens letztlich auch für den Trojanischen Krieg verantwortlich. Und sie sorgte auch nun dafür, dass die besagte Reise mit einem „emotionalen Achsbruch“ (um im Verkehrsjargon zu bleiben) endete. Schade, sehr schade!

Noch einmal zurück zu einer heileren Welt. Zum „geschützten“ Reisen und seinem Ausdruck in der uns angestammten abendländischen Kultur:

Und zwar möchte ich noch hinweisen auf einen musikalischen Reisesegen in Form eines der schönsten Chöre der Musikgeschichte, Mendelssohn-Bartholdis Vertonung des 91. Psalms (MWV B 53). YouTube: https://www.youtube.com/watch?v=-GsxzhnW63Y

Hier der Text:

Denn er hat seinen Engeln befohlen über dir,
dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen,
dass sie dich auf den Händen tragen
und du deinen Fuß nicht an einem Stein stoßest.


Dieser mein Beitrag neigt sich dem Ende zu. Auch ich habe mittlerweile meine Lektion gelernt, und sehe diese Zeilen nur als Wissens-Vermittlung oder -Auffrischung an. Wünschen tue ich allen, die sich in den nächsten Tagen auf eine wohlverdiente Reise begeben, vor allem eine gehorsame Technik in jenem Verkehrsmittel, mit dem sie sich bewegen, keine Staus, sondern flüssigen Verkehr, optimales Reisewetter (nicht zu heiß und nicht zu kühl), eine gute „Liegestatt“ am Ankunftsort oder an den Etappen-Stätten, viel Lust auf jedwede lokale Spezialitäten (vom Essen bis zu den landesüblichen Bräuchen). Und wer sich ein bisschen spirituelle Begleitung wünscht, hat ja jetzt vielleicht ein paar Anregungen bekommen.

Sollten auch die alten Reisesegen versagen, so möchte ich euch – ohne aufdringlich zu sein – doch den alten Abschiedsgruß, den ich im Friulanischen gehört habe, zurufen: „Mandi“, das ist verkürzt aus: „In mano di Dio“: „In Gottes Hand“.

Und bildlich verabschiede ich mich mit einem Ausschnitt aus meinem Lieblings-Christophorus-Bild:

Fresko von Masaccio, um 1420, in San Clemente in Rom
  1. Besonders geht auf dieses Thema anhand der Rezeptionsgeschichte des Kasseler Herkules folgender Beitrag (dem auch ich folge) ein: Joachim Schröder, Wie er Herkules zum großen Christoph wurde. In: Zeitschrift des Vereins für hessische Geschichte (ZHG), Bd. 113 (2008), S. 221-243 ↩︎
  2. WIKIPEDIA, s.v. Christophorus ↩︎
  3. Dieser Pontifex war in vielem zwar ebenso wie seine Vorgänger äußerst konservativ und politisch (etwa in der Judenfrage oder seinem Verhältnis zu Mussolini) alles andere als korrekt. Für gewisse Einrichtungen der Moderne scheint er aber ein Faible gehabt zu haben; so  war er am 12. Februar 1931 der erste Kirchenführer der Geschichte, der über das Radio zur ganzen Welt sprach. Und es ist verbrieft, dass er schnelle und elegante Autos mochte. Das erklärt wohl seine Verknüpfung des hl. Christophorus mit dem Automobil. Die Luxuslimousine Citroën Lictoria C6 aus dem Jahr 1930 war der offizielle Dienstwagen von Papst Pius XI., zu besichtigen im vatikanischen Museum „Padiglione delle Carrozze“. Von außen verweisen nur die Türklinken auf den ganz besonderen Fahrgast: Sie zeigen, vergoldet natürlich, die Schlüssel von Sankt Peter – das Symbol des Kirchenstaates. Ganz anders als das moderne Äußere ist dieses Auto innen gestaltet: mit vergoldeten Schnörkeln überall und einem überaus reich verzierten Sessel, der eher einem mobilen Thron gleicht.
    1870 hatte die Bewegungsfreiheit der Päpste geendet: Rom wurde Hauptstadt des geeinten Italien. Die Päpste lebten fortan im freiwilligen Exil auf dem eher kleinen Territorium des Vatikanstaats. Diese Isolation endete 1929, nach den Lateranverträgen zwischen dem faschistischen Staat und dem Heiligen Stuhl. Und es war Pius XI., der als erster Papst den Vatikan wieder verlassen konnte. Und selbstverständlich machte er sich mit einem Automobil auf den Weg, um in der Johannesbasilika sein 50. Priesterjubiläum zu feiern.
    Noch etwas Heiteres zum Nummernschild der vatikanischen Staatskarossen. Das zeigt drei Buchstaben: SCV – abgeleitet von „Status Civitatis Vaticanae“, auf Deutsch: Stadtstaat Vatikan. Die Römer übersetzen das SCV aber auch auf ihre immer schon typisch kirchenkritische Weise als „se Cristo vedesse!“ – Wenn das Christus sehen würde! (Quelle:https://www.deutschlandfunk.de/wagenpark-des-vatikans-die-mobilen-paepste-100.html).
      ↩︎

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